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Arschgeweih – Bedeutung, Ursprung und Kontroverse

Arthur Edward Thompson Clarke • 2026-04-10 • Gepruft von Mia Schneider

Der Begriff Arschgeweih hat sich seit den frühen 2000er Jahren im deutschen Sprachraum etabliert und wird bis heute kontrovers diskutiert. Was genau damit gemeint ist, warum der Ausdruck als problematisch gilt und welche kulturelle Bedeutung hinter dem Phänomen steckt, beleuchtet dieser Überblick.

Das Wort verbindet eine anatomische Lagebeschreibung mit einer abwertenden Konnotation. In den vergangenen zwei Jahrzehnten durchlief das damit bezeichnete Körpermerkmal mehrere Phasen der Popularität – vom Modehit über das Meme bis hin zum Revival in den sozialen Medien. Dabei spiegeln sich in der Debatte um den Begriff gesellschaftliche Diskussionen über Geschlechterrollen, Körpersprache und sprachliche Toleranz wider.

Was ist ein Arschgeweih?

Als Arschgeweih wird umgangssprachlich eine Tätowierung im Bereich des unteren Rückens bezeichnet – konkret kurz oberhalb des Steißbeins. Die längliche, häufig symmetrische Platzierung erinnert an ein Geweih, das sich über dem Gesäß befindet, woraus sich die umgangssprachliche Bezeichnung ableitet. Im englischsprachigen Raum hat sich dafür der Ausdruck Tramp Stamp etabliert, der eine deutlich abwertende Bedeutung trägt.

Definition
Unterer-Rücken-Tattoo
Ursprung
2000er Jahre Slang
Bedeutung
Abwertend für Tramp Stamp
Status
Meme-Kultur

Wichtige Fakten auf einen Blick

  1. Platzierung: Die Tätowierung befindet sich typischerweise im Lendenbereich, oberhalb des Steißbeins.
  2. Typische Motive: Häufig handelte es sich um Tribals – abstrakte, stammesartige Muster – oder Schmetterlinge.
  3. Trägerschaft: Nahezu ausschließlich Frauen trugen dieses Motiv, was zur geschlechtsspezifischen Stigmatisierung beitrug.
  4. Modekontext: Die Popularität in den späten 1990ern und frühen 2000ern hing eng mit dem Trend zu Bauchfrei-Mode und tief sitzenden Hosen zusammen.
  5. Kulturelle Einordnung: Der Begriff gilt als sexistisch und beleidigend, da er Frauenkörper sexualisiert und abwertet.
  6. Neutralere Begriffe: Alternativen wie Steißgeweih, Steißbeintattoo oder Steißtribal vermeiden die abwertende Konnotation.
Aspekt Details
Ersterwähnung Circa 2005 in deutschsprachigen Medien
Englisches Äquivalent Tramp Stamp
Typische Motive Schmetterling, Stammesmuster (Tribals)
Ursprüngliche Herkunft Tribals Stammesabbildungen der neuseeländischen Maori
Hauptträgerschaft Fast ausschließlich Frauen
Trendphase Späte 1990er bis frühe 2000er

Woher kommt der Begriff Arschgeweih?

Der Begriff wurde im Jahr 2002 vom österreichischen Tätowierer Pogo erfunden. Er ließ 5000 Aufkleber mit der Aufschrift drucken und verteilte sie auf einer Tattoo-Convention, was zur raschen Verbreitung des Begriffs führte. Die Wortschöpfung verband damit eine treffende Beschreibung mit dem typisch derben Humor der Tätowierer-Szene.

Die Rolle der Medien

Der österreichische Komiker Michael Mittermeier trug durch seine Show Paranoid im Jahr 2004 maßgeblich zur Popularisierung des Begriffs im deutschsprachigen Raum bei. Durch seine Bühne erreichte das Wort ein breites Publikum und wurde Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Die mediale Verstärkung durch Fernsehauftritte und später durch Internet-Memes festigte die Bekanntheit nachhaltig.

Die Entwicklung zum Meme

Ab Mitte der 2000er Jahre entwickelte sich der Begriff zum festen Bestandteil der Spottkultur im Internet. Der Partysänger Micky-Krause veröffentlichte einen Song, der das Arschgeweih mit einem schlechten Image assoziierte. Spiegel berichtete über die Peinlichkeiten und das Auslachen, das Trägerinnen erlebten. Die etymologische Herleitung über die reine Beschreibung hinaus wurde zum Nährboden für Witze und negative Zuschreibungen.

Begriffliche Vielfalt

International existieren verschiedene Bezeichnungen: In den USA ist Tramp Stamp gebräuchlich, was wörtlich Schlampenstempel bedeutet. In der Schweiz und Österreich verwenden Menschen ähnliche Begriffe wie Oarschvignette oder Schlampenstempel, die allesamt die abwertende Konnotation teilen.

Ist Arschgeweih beleidigend?

Ja, der Begriff gilt nach übereinstimmender Einschätzung von Medien und Betroffenen als sexistisch und beleidigend. Die Bezeichnung sexualisiert und abwertet den Körper von Frauen, indem sie automatisch mit einem schlechten Image oder promisemäßigem Verhalten assoziiert wird. Diese Verknüpfung fehlt bei vergleichbaren Körpermerkmalen von Männern vollständig.

Erfahrungen von Betroffenen

Frauen, die ein solches Tattoo tragen, berichten regelmäßig davon, dass ihr Körper öffentlich kommentiert wird. Die Diskussionen drehen sich um die Frage, was die Platzierung über den Charakter aussagt – eine Debatte, die bei männlichen Tattoo-Trägern in dieser Form nicht geführt wird. Begriffe wie Arschgeweih oder Tramp Stamp spiegeln laut Kritikern frauenfeindliche Klischees wider und verstärken diese durch ihre Verwendung.

Trendwende in den 2010er Jahren

In den 2010er Jahren wurde das Arschgeweih zunehmend als Jugendsünde abgetan. Viele Trägerinnen ließen ihre Tätowierungen entfernen oder überstechen. Die Sängerin Ina Müller widmete dem Phänomen 2009 das Lied Bye Bye Arschgeweih, das die negative Wahrnehmung musikalisch aufgriff und verstärkte. Die mediale Berichterstattung dieser Zeit trug zur Stigmatisierung bei.

Neutralere Alternativen

Wer die abwertende Konnotation vermeiden möchte, kann auf neutralere Begriffe zurückgreifen: Steißgeweih, Steißbeintattoo oder schlicht Steißtribal beschreiben die Platzierung sachlich, ohne geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu transportieren.

Welche Prominenten haben ein Arschgeweih?

Mehrere Prominente haben im Laufe der Jahre Tätowierungen im Steißbeinbereich öffentlich gemacht oder wurden dabei abgelichtet. Diese Beispiele zeigen, dass das Motiv über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg verbreitet war und keineswegs auf bestimmte Milieus beschränkt war.

Miley Cyrus
Die amerikanische Sängerin trägt ein Drachen-Tattoo auf dem unteren Rücken, das häufig in die Kategorie Arschgeweih eingeordnet wird. Anders als klassische Tribals zeigt ihr Motiv jedoch eine detaillierte künstlerische Gestaltung.
Stefanie Giesinger
Das deutsche Model und die Gewinnerin von Germany’s Next Topmodel zeigte auf Instagram ein klassisches Tribal über dem Steißbein. Damit repräsentiert sie den typischen Stil, der in den frühen 2000er Jahren besonders verbreitet war.
Barbie 2009
Im Jahr 2009 brachte Mattel die erste Barbie-Puppe mit einem Tattoo-Aufkleber-Set auf den Markt, das explizit ein Lower-Back-Motiv enthielt. Damit wurde das Arschgeweih symbolisch in den Mainstream der Spielzeugindustrie aufgenommen.

Kulturelle Einordnung

Die öffentliche Dokumentation prominenter Beispiele trägt paradoxerweise zur Normalisierung bei, während der Begriff selbst weiterhin abwertend wirkt. Kritiker sehen darin eine Celebration des frauenfeindlichen Vokabulars statt seiner Überwindung.

Die Geschichte des Lower-Back-Tattoos

Die Platzierung von Tätowierungen im Lendenbereich hat eine längere Geschichte als der Begriff selbst. Während die Motive und ihre Bedeutungen variieren, lohnt sich ein Blick auf die zeitliche Entwicklung des Phänomens.


  1. Aufstieg: Lower-Back-Tattoos werden durch Bauchfrei-Mode und tief sitzende Hosen populär. Die Sichtbarkeit der Tätowierung wird zum modischen Statement.

  2. Begriffsprägung: Der österreichische Tätowierer Pogo erfindet den Begriff Arschgeweih und verbreitet ihn über Aufkleber auf Tattoo-Conventions.

  3. Mediale Verbreitung: Michael Mittermeier verwendet den Begriff in seiner Show und macht ihn einem breiten Publikum bekannt.

  4. Abwertung: Ina Müller veröffentlicht Bye Bye Arschgeweih. Die negative Konnotation verstärkt sich. Barbie erscheint mit Tattoo-Aufkleber.

  5. Stigma: Viele Trägerinnen lassen ihre Tätowierungen entfernen. Der Begriff bleibt mit Scham und Peinlichkeit assoziiert.

  6. Revival: Das 90er- und 2000er-Revival bringt modernere, buntere und professionellere Varianten hervor. Influencerinnen adaptieren das Motiv als Arschgeweih 2.0. Auch Männer tragen nun ähnliche Platzierungen.

Fakten und Unklarheiten

Was bekannt ist

  • Der Begriff wurde 2002 von Pogo geprägt und über Aufkleber verbreitet.
  • Das damit bezeichnete Tattoo sitzt auf dem unteren Rücken, oberhalb des Steißbeins.
  • Die Platzierung war und ist überwiegend bei Frauen verbreitet.
  • Der Begriff gilt als abwertend und sexistisch.
  • Es existieren internationale Entsprechungen wie Tramp Stamp.

Was unklar bleibt

  • Die exakte erste Verwendung des Begriffs in gedruckten Medien lässt sich nicht zweifelsfrei datieren.
  • Wie viele Frauen tatsächlich ein Arschgeweih tragen oder trugen, wurde nie systematisch erfasst.
  • Die ursprüngliche Intention von Pogo bei der Begriffsprägung ist nicht vollständig dokumentiert.

Während die Geschichte des Arschgeweihs von der Mode der 2000er Jahre bis zu seinem heutigen Revival reicht, gibt es auch andere Entwicklungen, die uns im Jahr 2026 beschäftigen werden, wie die Neue Typklassen Kfz Versicherung 2026.

Kultureller Hintergrund und gesellschaftliche Debatte

Das Arschgeweih steht beispielhaft für die Art und Weise, wie alltägliche Körpermerkmale von Frauen zu Trägern sozialer Bedeutung werden. Die Tätowierung an sich ist ein neutraler Akt der Körpergestaltung. Durch die spezifische Platzierung, die Namensgebung und die mediale Rahmung wurde sie jedoch zu einem Symbol für bestimmte Zuschreibungen – und das, obwohl vergleichbare Tätowierungen bei Männern keine derartige Aufmerksamkeit oder Stigmatisierung erfahren.

Die Debatte um den Begriff spiegelt größere gesellschaftliche Auseinandersetzungen wider. Sprachkritiker argumentieren, dass Worte wie Arschgeweih oder Tramp Stamp Frauenkörper implizit sexualisieren und bewerten. Befürworter der freien Sprachverwendung sehen darin hingegen lediglich einen treffenden Slang-Ausdruck ohne böse Absicht. Die Realität liegt vermutlich dazwischen: Die Wirkung von Sprache hängt von ihrem Kontext ab, und Begriffe, die Gruppen abwerten, verdienen eine kritische Betrachtung.

Interessant bleibt, dass das Revival der 2020er Jahre eine Neubewertung versucht. Das Arschgeweih 2.0 zeichnet sich durch bessere Ausführung, vielfältigere Motive und eine bewusstere Ästhetik aus. Ob dies den Begriff selbst aufwertet oder nur sein negatives Image temporär überlagert, wird die weitere Entwicklung zeigen.

Zitate und Perspektiven

Betroffene berichten von Diskussionen über ihren Körper, die bei Männern in vergleichbarer Form ausbleiben.

Spiegel-Bericht zum Tattoo-Trend

Tribals stammen ursprünglich von Stammesabbildungen der neuseeländischen Maori, wurden aber durch Steißtribals profaniert und oft als schmuckloses Motiv ohne tiefere Bedeutung getragen.

Jeffrey Benecke, Tattoo-Kultur-Experte

Zusammenfassung und Einordnung

Das Arschgeweih ist mehr als ein Slang-Begriff für eine bestimmte Tätowierung – es ist ein kulturelles Phänomen, das Geschlechterrollen, Sprachentwicklung und Mode wandelt. Seit der Prägung 2002 hat der Ausdruck Höhen und Tiefen durchlaufen: von der modischen Accessoire über das Meme bis hin zum Revival. Die kritische Debatte um seinen abwertenden Charakter bleibt jedoch aktuell. Wer die kulturelle Dimension von Tätowierungen verstehen möchte, findet im Arschgeweih ein aufschlussreiches Fallbeispiel. Für weitere Hintergründe zur Ox – Bedeutungen, Kontexte und Fakten im Überblick oder zur Calista Flockhart – Biografie, Alter, Größe und Karriere finden sich zusätzliche Informationen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Tramp Stamp auf Deutsch?

Tramp Stamp ist die englische Entsprechung zu Arschgeweih. Das Wort Tramp bedeutet Schlampe und Stamp bedeutet Stempel – zusammen also Schlampenstempel. Der Begriff gilt als deutlich abwertender als das deutsche Äquivalent.

Gibt es Arschgeweih-Trends?

Ja, in den 2020er Jahren ist ein Revival unter dem Stichwort Arschgeweih 2.0 zu beobachten. Die neuen Varianten zeichnen sich durch modernere Ausführung, buntere Farben und professionellere Gestaltung aus. Auch Männer tragen zunehmend ähnliche Motive.

Ist Arschgeweih out?

Der Begriff wird weiterhin verwendet, trägt jedoch ein negatives Image aus den 2010er Jahren. Das Tattoo-Motiv selbst erlebt durch das 90er/2000er-Revival eine Wiederbelebung – allerdings meist unter neutraleren Bezeichnungen wie Steißtribal.

Warum heißt es Arschgeweih?

Die Bezeichnung leitet sich von der Optik ab: Die Tätowierung sitzt auf dem unteren Rücken, oberhalb des Gesäßes, und ihre Form erinnert an ein Geweih. Der Begriff wurde 2002 vom österreichischen Tätowierer Pogo erfunden.

Wie kann man ein Arschgeweih entfernen lassen?

Moderne Lasertechnologie ermöglicht die schrittweise Entfernung von Tätowierungen. Der Prozess erfordert mehrere Sitzungen und hängt von der Farbe, Größe und Tiefe der Tinte ab. Viele Trägerinnen ließen ihre Steißbeintattoos in den 2010er Jahren auf diese Weise entfernen.

Gibt es neutrale Begriffe für Arschgeweih?

Ja, Alternativen wie Steißgeweih, Steißbeintattoo oder Steißtribal vermeiden die abwertende Konnotation. Diese Begriffe beschreiben die Platzierung sachlich, ohne geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu transportieren.

Arthur Edward Thompson Clarke

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