
Blutdruck Tabelle nach Alter: Normwerte, Schwindel & mehr
Vielleicht haben Sie schon einmal bemerkt, dass die Blutdruckwerte bei Arztbesuchen immer wieder anders ausfallen – mal etwas höher, mal etwas niedriger – was nicht nur an Tagesform oder Aufregung, sondern auch ganz natürlich am Lebensalter liegt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich die Normwerte je nach Altersgruppe und Geschlecht verschieben, wann ein erhöhter Wert wie 150/90 wirklich gefährlich wird und welche Rolle Schwindel, Rauchen und Herzinsuffizienz dabei spielen.
Normaler Blutdruck: 120–129/80–84 mmHg ·
Hochnormaler Blutdruck: 130–139/85–89 mmHg ·
Bluthochdruck (Stufe 1): 140–159/90–99 mmHg ·
Bluthochdruck (Stufe 2): ≥ 160/≥ 100 mmHg ·
Hypertensive Krise: > 180/> 120 mmHg
Kurzüberblick
- Bluthochdruck ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Schlaganfall (Deutsche Hochdruckliga)
- Rauchen erhöht den Blutdruck akut um 10–20 mmHg systolisch (Deutsche Hochdruckliga)
- Bei Herzinsuffizienz liegt der Blutdruck oft systolisch unter 100 mmHg (NDR)
- Der genaue Blutdruckwert, der Schwindel auslöst, variiert von Person zu Person (Deutsche Hochdruckliga)
- Der Zusammenhang zwischen Schwindel und Bluthochdruck ist nicht immer eindeutig (Deutsche Hochdruckliga)
- Die optimalen Zielwerte für ältere Menschen sind noch nicht einheitlich festgelegt (Deutsche Hochdruckliga, NDR)
- ESC 2023: Einheitlicher Zielwert unter 130/80 mmHg für alle Erwachsenen (NDR)
- Hochdruckliga (2024): Altersdifferenzierte Zielwerte je nach Altersgruppe (Deutsche Hochdruckliga)
- Individuelle Therapieziele werden immer wichtiger (Deutsche Hochdruckliga)
- Lebensstiländerungen und Rauchstopp sind die effektivsten Sofortmaßnahmen (NDR)
Die folgende Tabelle fasst die Klassifikation der Blutdruckwerte nach WHO und Deutscher Hochdruckliga zusammen.
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Optimal | < 120 | < 80 |
| Normal | 120–129 | 80–84 |
| Hochnormal | 130–139 | 85–89 |
| Bluthochdruck Stufe 1 | 140–159 | 90–99 |
| Bluthochdruck Stufe 2 | ≥ 160 | ≥ 100 |
| Hypertensive Krise | > 180 | > 120 |
Wie ist die Blutdruck-Tabelle nach Alter und Geschlecht?
Die Klassifikation nach WHO und Deutscher Hochdruckliga liefert eine erste Orientierung – doch im Alltag spielen Alter und Geschlecht eine entscheidende Rolle. Sechs Altersgruppen, eine klare Tendenz: Der systolische Blutdruck steigt mit den Jahren, während der diastolische stabil bleibt oder sogar sinkt.
Blutdruck normalwerte für Männer nach Alter
- 18–29 Jahre: 110–135/70–85 mmHg (Onmeda)
- 30–39 Jahre: 115–140/75–90 mmHg
- 40–49 Jahre: 120–145/80–95 mmHg
- 50–59 Jahre: 125–150/85–100 mmHg
- 60–79 Jahre: 130–155/90–105 mmHg
- 80+ Jahre: 135–160/90–110 mmHg
Sechs Spannen, ein Muster: Bei Männern steigt der systolische Druck von etwa 110–135 mmHg im jungen Erwachsenenalter auf 135–160 mmHg im hohen Alter. Der diastolische Wert hingegen bleibt lange stabil, bevor er nach dem 60. Lebensjahr leicht ansteigt.
Während der systolische Druck bei Männern zwischen 20 und 80 Jahren um rund 25 mmHg ansteigt, verändert sich der diastolische Wert kaum. Das bedeutet: Ein 70-jähriger Mann mit 150/90 mmHg liegt noch im altersüblichen Bereich – eine 30-jährige Frau mit demselben Wert hätte dagegen bereits Bluthochdruck Stufe 1.
Blutdruck normalwerte für Frauen nach Alter
- 18–29 Jahre: 105–130/65–85 mmHg (Onmeda)
- 30–39 Jahre: 110–135/70–85 mmHg
- 40–49 Jahre: 115–140/75–90 mmHg
- 50–59 Jahre: 120–145/80–95 mmHg
- 60–79 Jahre: 125–150/85–100 mmHg
- 80+ Jahre: 130–155/85–105 mmHg
Acht Spannen, ein geschlechtsspezifischer Unterschied: Frauen haben vor der Menopause im Schnitt 5–10 mmHg niedrigere systolische Werte als Männer. Nach der Menopause gleichen sich die Werte an – ein Effekt, den die Deutsche Hochdruckliga auf den Wegfall des hormonellen Schutzes zurückführt.
Für Frauen über 50 steigt das Risiko für Bluthochdruck sprunghaft an. Regelmäßige Kontrollen sind ab diesem Alter besonders wichtig, weil die typischen Warnsignale oft ausbleiben.
Blutdruck im Alter von 60, 70 und 80 Jahren
- 60–79 Jahre: 130–155/90–105 mmHg (Männer) bzw. 125–150/85–100 mmHg (Frauen)
- 80+ Jahre: 135–160/90–110 mmHg (Männer) bzw. 130–155/85–105 mmHg (Frauen)
- NDR empfiehlt für 65–79 Jahre: Zielwert unter 140/80 mmHg (NDR, Ratgeber Gesundheit)
Sechs Werte, ein Trade-off: Mit steigendem Alter lockern sich die Zielwerte – nicht weil Bluthochdruck harmloser wäre, sondern weil die Blutgefäße nachlassen und ein zu niedriger Druck zu Schwindel und Stürzen führen kann. Die Hochdruckliga empfiehlt für Patienten ab 80 Jahren einen systolischen Zielwert von 140–150 mmHg (Deutsche Hochdruckliga, MMW 2024).
Kann Bluthochdruck Schwindel verursachen?
Bluthochdruck kann tatsächlich Schwindel auslösen – vor allem dann, wenn der Druck plötzlich ansteigt. Allerdings ist Schwindel kein spezifisches Symptom: Er kann auch auf niedrigen Blutdruck, Kreislaufprobleme oder andere Erkrankungen hinweisen.
Wie fühlt sich Schwindel bei Bluthochdruck an?
- Eher ein dumpfes Schwanken als ein Drehschwindel
- Tritt oft zusammen mit Kopfschmerzen oder Ohrensausen auf
- Kann bei sehr hohen Werten (>180/120) plötzlich einsetzen
Betroffene beschreiben das Gefühl oft als “benommen” oder “als ob der Boden schwankt”. Wer regelmäßig Schwindel verspürt, sollte den Blutdruck messen – aber auch andere Ursachen wie Innenohrprobleme abklären lassen.
Welcher Blutdruckwert ist für Schwindel geeignet?
- Niedriger Blutdruck (<90/60) kann ebenfalls Schwindel verursachen (NDR, Ratgeber Gesundheit)
- Bluthochdruck ab 160/100 kann Schwindel auslösen – die Schwelle variiert individuell
- Ein plötzlicher Anstieg von normal auf hoch ist oft symptomatischer als ein chronisch hoher Wert
Die Crux: Es gibt keinen festen Grenzwert, ab dem Schwindel auftritt. Ältere Menschen mit nachlassender Gefäßelastizität reagieren empfindlicher auf Druckveränderungen als junge Erwachsene.
Bei plötzlichem Schwindel in Kombination mit Blutdruckwerten über 180/120 mmHg oder unter 90/60 mmHg sollten Sie sofort die Notaufnahme aufsuchen oder den Notarzt rufen.
Das bedeutet: Schwindel ist ein ernstzunehmendes Symptom, das immer abgeklärt werden sollte.
Ist Blutdruck 150 zu 90 gefährlich?
Ein Wert von 150/90 mmHg entspricht nach der Klassifikation der Hochdruckliga der Stufe 1 des Bluthochdrucks. Das heißt: langfristig gefährlich, aber in der Regel kein akuter Notfall.
Sollte ich in die Notaufnahme gehen, wenn mein Blutdruck 150 beträgt?
- Nein, 150/90 mmHg erfordert keine Notaufnahme, sondern einen Arzttermin (Deutsche Hochdruckliga, MMW 2024)
- Ausnahme: Wenn zusätzlich Symptome wie starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Brustschmerzen auftreten
- Bei wiederholten Werten über 140/90 mmHg sollte der Hausarzt eine Behandlung einleiten
Ab wann ist der Blutdruck hoch genug für einen Krankenhausaufenthalt?
- Ab einer hypertensiven Krise (>180/120 mmHg) mit Symptomen
- Bei sehr hohen Werten ohne Symptome reicht meist die Vorstellung beim Notdienst
- Ein Krankenhausaufenthalt ist immer dann nötig, wenn Organschäden drohen
Bei welchem Blutdruck droht Schlaganfall?
- Das Risiko steigt ab 140/90 mmHg kontinuierlich an
- Jeder Anstieg um 20 mmHg systolisch verdoppelt das Schlaganfallrisiko etwa
- Bei Werten über 180/120 mmHg steigt das Risiko für einen hämorrhagischen Schlaganfall drastisch
Der Zusammenhang ist linear: Kein Schwellenwert, sondern eine Risikokurve. Wer dauerhaft bei 150/90 mmHg liegt, hat ein signifikant höheres Schlaganfallrisiko als jemand mit optimalen Werten.
Wie hoch steigt der Blutdruck beim Rauchen?
Nikotin ist ein starkes Gefäßstimulans. Schon eine einzige Zigarette lässt den Blutdruck um 10–20 mmHg systolisch ansteigen – und zwar innerhalb weniger Minuten.
Darf ich Rauchen, wenn ich Bluthochdruck habe?
- Nein. Rauchen ist ein Hauptrisikofaktor für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Die Deutsche Hochdruckliga stuft Rauchen als vermeidbaren Risikofaktor ein
- Jede Zigarette löst eine akute Drucksteigerung aus, die die Gefäße zusätzlich belastet
Jede Zigarette belastet das Herz-Kreislauf-System für Minuten – und wer zehnmal am Tag raucht, setzt sich diesem Risiko wiederholt aus. Nach dem Rauchen steigt der systolische Druck für 15–30 Minuten um 10–20 mmHg an.
Kann Rauchstopp den Blutdruck senken?
- Ja. Bereits innerhalb weniger Wochen nach dem letzten Zug sinkt der Blutdruck messbar
- Nach 3–6 Monaten normalisiert sich das Risiko für akute Blutdruckspitzen
- Der Effekt ist unabhängig von anderen Maßnahmen – Rauchstopp allein senkt den Druck
Der Rauchstopp ist somit die wirksamste Einzelmaßnahme zur Blutdrucksenkung.
Wie ist der Blutdruck bei Herzinsuffizienz?
Herzinsuffizienz und Bluthochdruck stehen in einer komplexen Beziehung: Hoher Blutdruck kann die Herzinsuffizienz verursachen, die Erkrankung selbst führt aber oft zu einem niedrigen Blutdruck.
Welche Blutdruckwerte sind bei Herzinsuffizienz typisch?
- Oft systolisch unter 100 mmHg bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz
- Der diastolische Wert kann normal oder leicht erhöht sein
- Bei einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurfleistung (HFpEF) ist der Blutdruck häufig noch hoch
Wie wird der Blutdruck bei Herzinsuffizienz behandelt?
- Blutdrucksenkende Medikamente – insbesondere ACE-Hemmer und Betablocker – werden eingesetzt, auch wenn der Blutdruck niedrig ist
- Therapieziel: Entlastung des Herzens, nicht Erreichen eines bestimmten Blutdruck-Zielwerts
- Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind essenziell, um eine Unter- oder Überdosierung zu vermeiden
Das Paradox: Bei Herzinsuffizienz kann ein normaler oder grenzwertig niedriger Blutdruck das bessere Therapieziel sein, weil das geschwächte Herz weniger Arbeit leisten muss.
“Bluthochdruck ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.”
— Deutsche Hochdruckliga, MMW 2024
“NDR empfiehlt für 65–79 Jahre: Zielwert unter 140/80 mmHg.”
— NDR, Ratgeber Gesundheit
Das Fazit für Patienten: Wer raucht, hat bei Bluthochdruck ein doppelt so hohes Risiko für Komplikationen wie Nichtraucher mit denselben Werten. Ein Rauchstopp ist die wirksamste Sofortmaßnahme – wirksamer als viele Medikamente.
Bestätigte Fakten
- Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für Schlaganfall (Deutsche Hochdruckliga)
- Rauchen erhöht den Blutdruck akut (Deutsche Hochdruckliga)
- Bei Herzinsuffizienz kann der Blutdruck niedrig sein (NDR)
Was unklar ist
- Genauer Blutdruckwert, der Schwindel auslöst, variiert individuell
- Zusammenhang zwischen Schwindel und Bluthochdruck nicht immer eindeutig
Deshalb ist regelmäßiges Messen so wichtig – nicht nur beim Arzt, sondern zu Hause unter Alltagsbedingungen. Nur so entsteht ein verlässliches Bild.
praktischarzt.de, deinrechner.de, blutdruckdaten.de, visomat.de, adac.de, schlaganfallbegleitung.de, hochdruckliga.de, iph.charite.de, intersana.de
Häufig gestellte Fragen
Was ist der normale Blutdruck bei Erwachsenen?
Laut WHO gilt ein Wert unter 120/80 mmHg als optimal. Normal sind 120–129/80–84 mmHg. Ab 140/90 mmHg spricht man von Bluthochdruck.
Wie misst man den Blutdruck richtig?
Setzen Sie sich fünf Minuten ruhig hin, der Arm sollte auf Herzhöhe liegen. Messen Sie am besten morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen.
Kann man Bluthochdruck ohne Medikamente senken?
Ja. Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, salzarme Ernährung und Rauchstopp senken den Blutdruck oft schon nach wenigen Wochen.
Welche Rolle spielt das Alter bei Bluthochdruck?
Mit zunehmendem Alter steigt der systolische Blutdruck natürlicherweise an. Die Gefäße verlieren an Elastizität, was den Druck erhöht.
Ist niedriger Blutdruck gefährlich?
In der Regel weniger gefährlich als Bluthochdruck. Wenn jedoch Symptome wie Schwindel oder Ohnmacht auftreten, sollte ein Arzt die Ursache abklären.
Wie oft sollte man den Blutdruck kontrollieren?
Bei gesunden Menschen einmal jährlich. Bei Bluthochdruck-Patienten empfehlen Fachgesellschaften tägliche Messungen zu festen Zeiten.
Welche Lebensmittel senken den Blutdruck?
Lebensmittel reich an Kalium – wie Bananen, Spinat, Kartoffeln – sowie Vollkornprodukte und fettarme Milchprodukte können helfen. Die DASH-Diät ist dafür bekannt.